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Eisbär

Der Winter ist schneller gekommen, als erwartet. Noch sind nicht alle Blätter von den Bäumen, und schon gibt es morgens den ersten Frost. Der Winter, das ist die Jahreszeit, in der in klaren Nächten die Luft zu zerbrechlichem Glas gefriert. Die Zeit in der die Einkaufszentren elektrisch glühen, und der Sommer nicht mehr fehlt, sondern nur eine schöne warme Erinnerung ist.
Nun ist die Zeit, in der man sich gemütlich auf sein Sofa kuschelt, und bei einem Tee, dem leisen Rauschen des Wasser durch die Heizungsrohre lauscht, oder wenn man glücklicher Besitzer eines Kamin ist, dem Knistern Knacken des mit stoischer Ruhe brennenden Holzes zuhört.
Draußen ist es kalt, nur ein einsamer Eisbär zieht durch die verlassenen Straßen. Niemand bemerkt ihn. An den Straßenecken bleibt der Eisbär stehen, schaut nach links, und nach rechts bevor er sich entscheidet weiter zu gehen. Nur ab und zu bleibt er stehen, und wirft einen Blick in eins der beleuchteten Fenster, und wundert sich über die Menschen, die in ihrem beleuchteten Heim sitzen, wie in einem Aquarium, und sich ihre kleine Winterwelt aufgebaut haben und den Rest der Welt Winter sein lassen. Kurz wundert er sich und zieht dann weiter.
3.11.06 16:32


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Vollmond

Der Vollmond heute Nacht war wunderschön. Die Nacht war hell von seinem Schein und nach den kalten Tagen fühlte sich die Luft schon fast warm an. Nicht weit weg standen zwei hohe Pappeln, und die dünnen Wolken verteilten die Strahlen des Mondes und tunkten die Welt in ein silbriges Licht. Es war überwältigend schön. Und ruhig.

So schön, dass ich einen Moment vergaß, dass es unser Mond war, unter dem ich stand. Fast hätte ich vergessen, dass ich versprochen habe zu hören, wenn Du schreist. Aber dieser Mond ist unser Mond. Ohne Dich wäre der Mond nicht einmal ein bisschen mein Mond, nur mit Dir, so wie Du bist, gehört der Mond uns.

Noch einmal blicke ich nach oben, und sehe in den Mond. Unseren Mond, und er ist noch viel schöner. Es ist schön mit Dir zusammen das Laub tanzen zu sehen. Du bist schön, liebenswert. Wir sind schön. Das sagt mir unser Mond. Vergiss das nicht.

7.11.06 00:24


Pudermond

Der Drache legte das Buch zur Seite und schaute noch einmal hoch zum nicht mehr ganz vollen Mond. Warum, wunderte er sich, sind sich alle so sicher, dass der Mond aus Käse besteht? Eigentlich sieht der Mond doch viel mehr aus, als sei er mit Puderzucker bepudert.
Noch nie hat er versucht einfach zum Mond zu fliegen, einfach höher und höher, bis er den Mond erreicht. Warum eigentlich nicht? Es gab keinen Grund, warum er es bis jetzt nicht ausprobiert hat. Andererseits gab es auch keinen Grund es zu tun. Außer vielleicht um herauszufinden, ob der Mond nicht doch bezuckert ist.
Bislang hat der kleine Drache eigentlich immer nur das getan, was zu tun war. Wenn ein Abschnitt des Lebens zuende war, hat er einfach das gemacht, was ihm logisch erschien, oder was von ihm erwartet wurde. Meistens hat er gar nicht gemerkt, dass überhaupt irgend etwas von ihm erwartet wurde, alles schein ganz automatisch seinen Lauf zu nehmen.

Natürlich hat er seinen Spaß gehabt. Zum Beispiel, wenn er der Großmutter die Kirsche, die in der Mitte auf dem Kuchen war, gemopst hat, ohne dass sie es mitbekam, oder als er versucht hat sich mit der Schwanzspitze am rechten Ohr zu kratzen, wärend er nur auf dem linken Bein stand und dabei noch "La Paloma" pfiff. Aber wirklich verrückte sachen, wie einfach zum Mond fliegen hat er nie gemacht.
Vielleicht, dachte sich der Drache, sind die meisten verrückten Dinge gar nicht so Verrückt, wie sie klingen. Wahrscheinlich schon, aber vielleicht nicht alle.
Später einmal, wenn er mal viel Zeit hat, nahm sich der Drache vor, würde er zum Mond fliegen, aber im Moment hat er eine Aufgabe. Und die machte er gut, schließlich ist er ein ausgezeichneter Experte, was das Aufpassen angeht. Das bestätigten ihm auch alle, die die Gelegenheit hatten ihm einige Zeit beim Aufpassen zu beobachten.
Es war auch schon spät, also legte er sich hin, rollte seinen Schwanz ein und passte auf, wie ein Stein. Wenn man aber ganz genau hinschaute, stellte man fest, dass das eine Auge nie wirklich ganz geschlossen war.

8.11.06 00:44


Himbeeren

Der kleine Drache saß vor seiner Höhle und wusste nicht so recht, was er tun soll. Klar, er passte auf, aber wenn man es mal genau betrachtete, gab es im Moment eigentlich gar nichts zum wirklich beaufpassen. Die zu Beaufpassenden, backten wahrscheinlich mal wieder einen Kuchen oder flogen albern und ziellos umher. Überhaupt gestaltete sich seine aupassende Tätigkeit in letzter Zeit eher eintönig. Aber, wenn er mal zuende geaufpasst hat, freute er sich schon, würde er zum Mond fliegen.

Die nächsten Wochen tat sich im Leben des kleinen Drachen nicht viel. Ab und zu gab es mal ein bisschen zu tun, hier mal ein bisschen grimmig gucken, um sicher zu gehen, dass hinter seinem Rücken kein Unfug gemacht wird, da mal ein bisschen demonstrativ mit vorgeschobener Brust und erhobenem Kinn hin und her laufen. Das einzige, was ihm ein bisschen komisch vorkam war, dass die Jahreszeiten erstaunlich schnell und unregelmäßig wechselten, aber was hatte er nicht schon alles erlebt und was das Wetter verrücktes anstellte, war ihm im Prinzip auch egal.

Eines Dienstag vormittags jedoch stand der kleine Drache wieder vor der Höhle, es gab mal wieder nichts zu tun, und er schaute nach oben. Und da sah er in der Nähe des Horizonts den Mond blass am blauen Taghimmel stehen. Langsam drängte sich ein Gedanke in sein Bewusstsein, der in den letzten Wochen gekommen, langsam gewachsen war, immer größer geworden ist, und nun endgültig in seinem Bewusstsein angekommen war und nun nicht mehr zu leugnen war. Der Gedanke erschien dem Drachen erst fremd, dann vielleicht doch ein bisschen zu kühn und nach sorgfältigem Überlegen entschied sich der Drache dazu dem Gedanken gehör zu schenken: Er entschied sich impulsiv zu sein und zum Mond zu fliegen. Jetzt. Schließlich bestand seine Aufpassaufgabe zur Zeit ja nur aus unwichtigem kleinkram, und sollte er wirklich benötigt werden, das wusste er, würde er sofort da sein um aufpassen. Jeder Zeit, Tag und Nacht. Das hatte er schließlich versprochen, und er war ja ein Aufpassdrache.

Er breitete seine Drachenflügel aus, flog los, stieg empor und flog Richtung Horizont, wo der Mond zu sehen war. Nach ca. 150 Metern drehte er noch mal um, um nachzusehen, ob er den Herd ausgestellt hatte. Der Herd war aus, er hatte ihn den ganzen Tag noch nicht benutzt, dann breitete seine Drachenflügel aus, flog los, stieg empor, kehrte nach 100 Metern noch mal um - hatte er das licht ausgemacht? Wer weiß, wie lange er unterwegs sein würde, da kann man ja nicht versehentlich die ganze Zeit das Licht brennen lassen... Das Licht war natürlich aus - Er breitete seine Drachenflügel aus, flog los, stieg empor und flog Richtung Horizont wo der Mond zu sehen war.

Der Drache sah den Mond und er hatte eine riesige Vorfreude. Doch als er den Mond ansah war er sich plötzlich ganz sicher: Puderzucker kein Käse. Und es wäre doch jammerschade, wenn er den Mond erreichen würde, alles voller feinstem Puderzucker wäre und er keine Himbeeren (oder wenigstens Brombeeren oder Erdbeeren) dabei hätte um sie mit Puderzucker bestreut essen zu können. Also musste der Drache bevor er zum Mond fliegen konnte ersteinmal Himbeeren finden.

9.11.06 23:43


Soundtrack

Gestern lag ich in meinem alten Bett und hörte den Soundtrack zu dem Leben, das ich immer vermisst und nie gelebt habe. Zum Glück schien die Laterne durch den Spalt im Vorhang und ließ mich sehen, dass ich nicht gefangen war in einem kleine Kasten aus Dunkelheit. Nicht mein Körper. Ich war umgeben von dem seltsam vertrauten Gefühl der Einsamkeit, der Soundtrack legte sich wie eine weiche warme Decke um mich und das Gefühl. Ich bewegte mich langsam und ließ mich treiben.

Ich sah, dass Du die Augen auch geschlossen hattest. Du standst Still, und liest die Welt um Dich weiter laufen, ohne Dich. Ich sah Dich an, konnte Dich hören, wusste was Du denkst, und ich konnte es sehen. Ich war bei Dir, ohne dass Du es gemerkt hättest. Ich weiß nicht, wie lange es war, Zeit spielte keine Rolle. Dann lächeltest Du und tanztest weiter. Ich schloss wieder die Augen, und deckte mich zu.

Irgendwann war alles vorbei. Eine ganz normale Party ganz normale Leute, vielleicht zu normal, und ein Leben, dass ich wirklich geführt hatte. Es war Wochenende. Eines, wie jedes andere.

12.11.06 17:34


Sternenhimmel

Der kleine Drache flog also umher. Eigentlich flog er gar nicht umher, sondern einfach nur weiter, denn wo er zu dieser Jahreszeit Himbeeren herbekommen sollte wusste er nun wirklich nicht. Er flog also weiter und weiter, bis es Nacht wurde. Über ihm sah er die Sterne glitzern. Heute schienen sie ganz besonders schön zu funkeln, die Sterne funkelten so hell, dass sie sich im Wasser unter dem Drachen spiegelten. Ohne es zu merken war der kleine Drache auf das offene Meer geflogen. Hier gab es ganz bestimmt keine Himbeeren zu finden. Aber umkehren, das war dem Drachen klar, kam gar nicht in Frage. Also flog er weiter und weiter.

Allmählich jedoch wurden seine Flügel schwerer und schwerer und der Drache fragte sich, ob es wirklich die richtige Entscheidung war weiter aufs offene Wasser zu fliegen. Schon seit Stunden hatte er kein Stückchen Land mehr unter sich gesehen. Und jetzt, wo ihn die Kräfte verließen, fing er an zu zweifeln, ob seine überhaupt die richtige Entscheidung gewesen war, einfach so loszufliegen, oder ob er nicht lieber vor seiner Höhle geblieben wäre, schließlich war es dort doch gar nicht so schlecht. Doch während er noch zweifelte hörte er in der ferne Trommeln schlagen. Große Trommeln. Tiefe Trommeln. Bum bum bum bum. Und am Horizont konnte er ein schwaches Schimmern sehen.

Er nahm seine letzte Kraft zusammen und flog so schnell er konnte den heller werdende Lichtern entgegen. Je näher er den Lichtern kam, um so mehr konnte er erkennen. Die Insel musste ein großer Vulkan sein. Aus der Spitze des Berges stiegen dünne Rauchwolken empor, die von unten in einem glühenden Rot angestrahlt wurde. Am Strand sah er mehrer große Feuer. Die Lichter, die er schon von weitem gesehen hatte. Und zwischen den Feuern sah er Gestalten. Einige von ihnen Tanzten, andere Schlugen mit riesigen Klöppeln auf noch riesigere Trommeln ein. Der Drache war sehr aufgeret und gespannt und landete ein wenig abseits der Tanzenden und feiernden Gestalten.

18.11.06 21:16


Strom

Heute war ich am Deich. Ich war lange nicht mehr da. Es war nicht meine Idee, aber es war schön.
Als ich ankam, war es schon dunkel. Die Dunkelheit und die Ruhe legten sich wie ein großer schwerer Umhang um mich. Ich spürte, dass Du da warst. Ganz leise. Ich schwieg, genoss die Ruhe.

Das Wasser strömte langsam aber unaufhaltsam Richtung Meer. Immer weiter. Nicht auf zu halten. Hinter sich ließ es nur das plätschern der kleinen Wellen am Ufer. Unaufhaltsam, aber langsam und ruhig.

Ich legte meinen Arm um Dich. Ich sah in Dein Gesicht. Der Wind war kalt, aber nicht zu stark und mir war warm. Ich ließ meine Gedanken vom Wind davontragen. Ich schaute aufs Wasser und schwieg. Mein Kopf war frei, aber ich war nicht einsam. Ich schloss die Augen und schlief ein.

21.11.06 00:14


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